Gnome 2.2 und KDE 3.1 für Debian Woody


1. Einleitende Worte

Bei der aktuellen Debian Version 3.0 auch Woody genannt, ist leider kein Gnome 2.2 noch ein KDE aus der 3er Reihe enthalten. Damit ist Woody nicht ungeeignet, verwährt aber dem Nutzer doch einiges an Komfort.

http://www.gnome.org/start/2.2/
http://www.kde.org

Glücklicherweise haben einige Leute, namentlich Ralf Nolden (KDE) und James Strandboge (Gnome), nicht die Mühen gescheut und bieten eine aktuelle Version von KDE und Gnome für Debian Woody an.

Dank der Paketverwaltung von Debian lassen sich diese `leicht` in ein bestehendes System einbinden. Berücksichtigt sollte aber werden, dass es sich hier um keine offizielle Debian-Pakete handelt. Daher sollten auch keine Bug-Reports an Debian gesendet werden.

Dies bedeutet aber nicht, dass der Nutzer mit diesen Paketen keine Hilfe bekommen oder ein sehr großes Sicherheitsrisiko eingehen würde. Denn die Pakete werden von einer großen Anzahl von Nutzern verwendet, die auch gerne mal die ein oder andere Frage dazu beantworten.

Ein weiteres Manko betrifft KDE3. Leider ist es bei Debian nicht möglich KDE2 und KDE3 gleichzeitig installiert zu haben. Es ist eine Entscheidung entweder oder. Wird auf KDE3 umgestellt, so ist kein einziges KDE-Paket aus Debian Woody mehr benutzbar, es gibt aber zahlreiche Quellen für neue Pakete. Diese finden sich wie viele weitere auf der Seite: http://www.apt-get.org

Über die Qualität der dort angebotenen Pakete lässt sich nur schwer ein generelles Urteil fällen.

Gnome2 erlaubt glücklicherweise noch das Benutzen von alten Gnome1-Applikationen. Jedoch wird eine neuere Version der `grafischen Oberfläche` - dem XServer - für Gnome2.2 benötigt, welche nicht in Woody enthalten ist. Die Installation wird hier ebenfalls beschrieben.

Sollten diese Schritte bei einer Neuinstallation durchgeführt werden, so empfiehlt es sich, diese Seite auszudrucken, da einige Befehle in der Konsole eingeben werden müssen.


2. Bei der Neuinstallation zu beachten

Der ganze Installationsvorgang ist mit Screenshots im Handbuch dokumentiert. Dieses gibt es bei Lehmanns in gedruckter Form oder aber auch online unter:

http://www.openoffice.de/linux/buch/
http://www.lob.de/cgi-bin/work/pages?id=3eb21468a0299&frame=yes&flag=new&menupic=yes&page=akt_debian

Bei der Systeminstallation ist es am besten nur ein Rumpfsystem zu installieren, um spätere mögliche Paketkonflikte zu vermeiden, wenn KDE3 und/oder Gnome2 hinzugefügt werden.

Falls der Umgang mit dem Programm "dselect" vertraut ist, kann es ruhig bei der Installation ausgeführt werden. Es sollte dann aber keine eigen Auswahl dort getroffen werden, damit dselect nur alle notwendigen/empfohlenen Pakete für ein Basissystem installiert.

`tasksel` kann ebenfalls ausgeführt werden. Für ein deutschsprachiges System empfiehlt es sich diesen Punkt auszuwählen. Auf was aber unbedingt verzichtet werden sollte ist die Auswahl "X window system" und "desktop environment".

Es sollte auch unbedingt ein eigener Benutzeraccoount eingerichtet werden.


3. Internetverbindung

Für die nun folgenden Schritte ist es notwendig über eine Internetverbindung zu verfügen. Die Einrichtung einer solchen wird ebenfalls im Handbuch behandelt.

Die Downloads sind sehr umfangreich. Wird alles installiert, so umfassen KDE und GNOME je 200 MB. Wie vor der Installation eine lokale Kopie der Paketarchive erstellt wird, ist hier nachzulesen:

http://www.debianforum.de/guides/index.php?sid=15023&aktion=artikel&rubrik=001002&id=49

http://www.debianforum.de/guides/index.php?sid=15023&aktion=artikel&rubrik=003001001&id=50

Wird eine solch lokale Kopie verwendet, können nicht die vorkonfigurieten sources.list, die im nächsten Schritt beschrieben sind, verwendet werden.



4. Vorbereiten der Paketverwaltung

a. Eintragen der Paket-Quellen von Hand

Zuerst muss dem System mitgeteilt werden, wo es sich die Gnome- und KDE-Pakete sowie den neuen XServer herunterladen kann. Die Paketverwaltung `apt` speichert die Quellen für Pakete in einer Konfigurationsdatei: "/etc/apt/sources.list"

Falls bereits der Umgang mit "vi" oder einem anderen Editor bekannt ist, so müssen nur folgende Zeilen für Gnome und den Xserver hinzugefügt werden:

deb http://mirror.raw.no/ gnome2.2/
deb http://people.debian.org/~blade/woody/i386 ./


Für KDE ist es nur eine Zeile:

deb http://download.de.kde.org/stable/3.1.1/Debian stable main



b. Fertige Konfigurationsdateien herunterladen

Für alle, die sich (noch) nicht mit Konsolen-Texteditoren auskennen, gibt es die sources.list auch fertig zum runter laden. Hierfür muss aber zuerst wget installiert werden. Wget ist der Standard-Downloader unter Linux/Unix - ähnlich getRight und gozilla unter Windows. Folgende Schritte müssen als "root" ausgeführt werden:

apt-get install wget


Nun die `sources.list` für ein eventuelles Gnome-System laden und an die richtige Stelle kopieren:

wget http://www.pimpzkru.de/debian/sources.list.gnome
cp sources.list.gnome /etc/apt/sources.list


Soll auch noch KDE3 mit installiert werden so stattdessen bitte folgende Datei benutzen:

wget http://www.pimpzkru.de/debian/sources.list.gnome-kde
cp sources.list.gnome-kde /etc/apt/sources.list


Für ein reines KDE3 ohne Gnome2.2:

wget http://www.pimpzkru.de/debian/sources.list.kde
cp sources.list.kde /etc/apt/sources.list



c. Erneuern der Paketliste

Nach der Installation der neuen Konfigurationsdateien, müssen die neuen Quellen ausgelesen und die Paketdatenbank aufgefrischt werden. Dies geht mit:

apt-get update




5. Installation des XServers

Ist nur ein Rumpfsystem installiert, so muss erst noch die `grafische Oberfläche` installiert werden. Dies ist dann bei KDE3 und Gnome2 notwendig.

Um die spätere Konfiguration des Xserver zu erleichtern, sollten folgende Helfer installiert werden:

apt-get install mdetect read-edid


Am einfachsten geht die Installation des Xservers über ein so genanntes Meta-Paket. Meta-Pakete sind Pakete, die selbst keinen Inhalt haben, jedoch zahlreiche Abhängigkeiten verlangen, so dass ihre Installation eine ganze Reihe von weiteren gewünschten Paketen nach sich zieht.

Da der Xserver in sehr viele Pakete aufgeteilt ist, empfiehlt es sich für den Anfänger das Meta-Paket des Xservers zu installieren:

apt-get install x-window-system-core


Bei den nachfolgenden Fragen lohnt es sich den XServer über `debconf` zu konfigurieren. Auf die genaue Konfiguration kann hier leider nicht eingegangen werden; dies ist ebenfalls gut im Handbuch dokumentiert.

Nach der Installation als `root` den Xserver testhalber starten, um ihn auf seine richtige Konfiguration hin zu überprüfen. Dies geschieht durch ein einfaches:

X


Zu sehen sollte ein Karo-Muster sowie ein X-Cursor sein. Der Xserver kann über das gleichzeitige Drücken von Steuerung, Alt und Backspace beendet werden (Backspace ist die Rückwärtstaste über Enter).

Funktioniert alles soweit, kann mit der Installation von Gnome2 und/oder KDE3 fortgefahren werden. Ansonsten steht das Forum für Fragen offen.



6. Eigentliche Installation von Gnome 2.2

Für Gnome ist es leicht und schnell getan:

apt-get install gnome gnome gnome-fifth-toe gdm


`gnome` und `gnome-fifth-toe` sind ebenfalls Meta-Pakete, die einen vollwertigen Gnome-Desktop mit sich ziehen.

`gdm` ist ein grafischer Anmeldedienst. Er startet den Xserver und bietet einen Login-Bildschirm an.

Lief die Installation fehlerlos durch so kann nun, falls gewünscht, mit der Installation von KDE weitergemacht oder der `gdm` gestartet werden:

/etc/init.d/gdm start


Der `gdm` wird bei einem Neustart automatisch gestartet.

Sollte keine Auswahlmöglichkeit für ein deutsches Gnome zur Verfügung stehen, so muss diese wie im Handbuch Abbildung 2-79 dargestellt mit `locales` erzeugt werden.

Nachträglich kann dieses Menü mit folgendem Befehl aufgerufen werden:

dpkg-reconfigure locales


Dort dann "de_DE@euro" oder "de_DE.UTF-8" auswählen.



7. Eigentliche Installation von KDE 3.1

Für KDE gibt es leider kein großes Metapaket. Deshalb müssen mehrere kleine Metapakete installiert werden:

Vorsicht! Das Paket `kde` bezieht sich noch auf das alte KDE2 und sollte unter keinen Umständen installiert werden.

apt-get install kdebase kdenetwork kdegraphics kdeutils kdeadmin kdemultimedia kdeartwork kdeaddons kde-i18n-de kdm


`kde-i18n-de` umfasst die deutsche Sprachdateien für KDE.

Ist bereits `gdm` installiert so kann auch auf `kdm` verzichtet werden. Sind jedoch beide installiert kann über ein einfaches `dpkg-reconfigure kdm` der gewünschte Login-Manager ausgewählt werden.



8. Gnome2 und KDE3 als Upgrade

Ist bereits ein funktionierendes System eingerichtet, so müssen die Änderungen in der `sources.list` wie unter 4. vorgenommen werden. Nicht vergessen:

apt-get update



a. Gnome2.2

In den Gnome-Paketen sind bereits Transitionsskripte enthalten, die versuchen eine bestehen Gnome1-Konfiguration für den Gnome2-Desktop umzuwandeln. Auch das Upgarde sollte problemlos durchgeführt werde können:

apt-get -u -s dist-upgrade


Mit diesem Befehl wird erst ein Testlauf absolviert. Traten hierbei keine Fehler auf so kann die "-s"-Option bei einem erneuten Aufruf weggelassen werden.


b. KDE3.1

Ein Upgrade von KDE gestaltet sich durch die eingangs erwähnten Unverträglichkeit etwas schwerer. Es ist am besten zuvor das komplette KDE2 zu deinstallieren:

apt-get remove --purge libarts kdelibs3-bin kdelibs3 kdebase-data kdelibs-data


Danach mit der Installation wie unter 7. fortfahren.


Fragen und Anregungen gerne an renate at pimpzkru.de


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